Bürgerverein Oberrad e.v.

Pressemitteilung – Bürgerverein Oberrad

zu: FNP, 23. Dezember 2020 „Fraport ebnet“ The Dome“ den Weg

Schon seit Jahrzehnten wird das freie Feld zwischen dem Stadtteil Oberrad und dem Main, das überwiegend erwerbsgärtnerisch genutzt ist, Ziel von Spekulationen über mögliche Bebauungen. Bisher konnten unnötige, spekulative Bebauungen zurückgedrängt werden.
Trotzdem bleiben Versuche nicht aus, auf unbebauten Grund und Boden zurückzugreifen.
Nunmehr seit mehreren Jahren sind das Kaiserleigebiet, das Mainwasengebiet und die Grünflachen gegenüber der Theologischen Hochschule St. Georgen spekulativ in der Diskussion über eine neue Nutzung. Konkrete Planungsabsichten, die auf Beschlüssen der städtischen Körperschaften beruht, gibt es offensichtlich nicht, so dass man auf Diskussionen und Stellungnahmen zu verschiedenen Ideensammlungen angewiesen ist.
Es ist ein Weihnachtsgeschenk für die Oberräder Bevölkerung, dass zu lesen ist, dass die Flughafengesellschaft Fraport offiziell ihr Grundstück „auf dem Markt“ bringt, um eine Bebauung mit einer Multifunktionshalle für Sport, Kultur und sonstige Veranstaltungen zu ermöglichen. Bisher hat sich die Fraport AG mit solch offiziellen Bewerbungen vornehm zurückgehalten, um die Kreise von Mitgliedern des Magistrats der Stadt Frankfurt nicht zu stören, die ihrerseits eine Sporthalle auf dem Kaiserleigebiet den Vorrang einräumten. Mit dieser Eröffnung der Bebauungsmöglichkeit für „The Dome“ wird für das nördliche Oberräder Feld erhebliche Erleichterung in der Diskussion geschaffen.
Investoren einer möglichen Sporthalle auf dem Kaiserleigebiet haben nach mehrjähriger Planung entnervt ihre Bewerbung zurückgezogen, da sie offensichtlich zu dem Schluss gekommen sind, dass dieses Objekt nur schwerlich durchsetzbar ist. Genaue Gründe des Rückzugs sind leider nicht bekannt. Außer Spesen nichts gewesen und daran ist dem Vernehmen nach auch die Stadt Frankfurt mit über 800.000 Euro beteiligt. Nach diesem Rückzug standen drei Sportvereine, die auf diese Hallenmöglichkeit spekulierten, mit leeren Händen da. Unterstützt von einzelnen städtischen Magistratsmitgliedern hat sich der Verantwortliche der Basketball-Mannschaft „Fraport Skyliners“ bereit erklärt, mit den „Eishockey-Löwen“ und dem Bundesliga Volleyballern „United Volleys“, die Halle auf eigene Rechnung weiter zu planen und zu bauen.

Diese Idee ging schon nach wenigen Tagen in die Brüche, da sich die Löwen und die United Volleys zu einem derartigen risikoreichen Unterfangen nicht bereitfanden. Angefeuert von einzelnen Unterstützern des Magistrats soll sich offensichtlich der Verein der Fraport Skyliners ebenfalls eine „blutige Nase“ holen.
„Pleiten, Pech und Pannen“: Mit gesundem Menschenverstand könnte man zu der Erkenntnis kommen, dass die Investoren des Hallenprojektes am Flughafen – auf eigene Kosten – eine sicherere Bank für die Sport treibenden Vereine sind. Außerdem wäre auch noch ein großer Gewinn für kulturtreibende Veranstaltungen innerhalb unserer Stadt zu verzeichnen. Die Bedingungen sind überschaubar. Es gibt nur einen Verhandlungspartner als Grundstückeigentümer. Die Grenzen der Planung sind im „Sonderbaugebiet“ Flughafen vorgegeben.
Für das Kaiserleigebiet bedeutet dies, dass „Druck aus dem Kessel“ genommen wurde und anderweitige Nutzungsvorstellungen zum Zuge kommen. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass dieses Gebiet außerhalb des Grüngürtels ist und auch kein Landschaftsschutzgebiet ist. Wegen der Nähe zur S-Bahn und im unmittelbaren Bereich der Autobahnabfahrt wäre es nach Einschätzung des Bürgervereins Oberrad ein hochinteressanter Standort für die Europäische Schule, die heute noch im Grüngürtel und im Landschaftsschutzgebiet auf der derzeitigen Sportanlage Mainwasen gehandelt wird. Jeder Ortskundige wird allerdings den Kopf schütteln über einen Schulstandort von prognostizierten über 2.000 Schülern in einem Gebiet weitab vom Schuss des Öffentlichen Personennahverkehrs. Dieser Standortnachteil ist am Kaiserleigebiet nicht gegeben und wird noch zusätzlich begünstigt durch die unmittelbare Autobahnnähe, die es „Helikopter-Eltern“ schneller ermöglicht, ihre Sprösslinge der möglichen Schule anzudienen.
Die Folge wäre, dass den beiden Sportvereinen an den Mainwasen ihre Nutzfläche verbleibt, die gleichfalls heute im Grüngürtel liegt und Landschaftsschutzgebiet ist. Die berechtigte Sanierung der Sportanlage könnte unverzüglich erfolgen. Eine langjährige Umsetzung an einen neuen Standort entfällt. Den größten Nutzen, so der Bürgerverein Oberrad, hat die Bevölkerung folgerichtig von der Nicht-Bebauung der Grünfläche gegenüber der Theologischen Hochschule St. Georgen, die ebenfalls Grün- und Landschaftsschutz genießt.
Eine Bebauung an dieser Stelle mit einer Vermehrung der Sportflächen für zwei Vereine hätte am unmittelbaren Ortsrand von Oberrad erhebliche negative Folgewirkungen.
Es wäre der Wunsch des Bürgervereins, wenn bei den Verantwortlichen im neuen Jahr ein Schlussstrich unter den „Verschiebebahnhof“ gezogen würde und sich eine deutliche Mehrheit im Magistrat und in der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Frankfurt im vorerwähnten Sinne formieren würde zum Nutzen aller Beteiligten.

Eugen Müller
Vorsitzender